Handarbeit als Basis der Pferdeausbildung

Handarbeit als Basis der Pferdeausbildung

Die Ausbildung eines Pferdes ist ein komplexer und langer (wenn nicht unendlicher) Prozess. Wie bei der Bildung eines Kindes beginnt sie bei Null und baut schrittweise auf die einzelnen Etappen auf. Das Kind lernt gehen und sprechen, es folgt die Spielgruppe, der Kindergarten und die Schule und danach folgen vielleicht ein Studium oder eine Berufslehre und immer mehr Weiterbildungen. Würde ein Kind die Schule auslassen und sind es nur ein oder zwei Jahre, dann würde dies grundlegend fehlen. Denn ohne Lesen zu können, kann nicht studiert werden, um es überspitzt zu sagen.  Dasselbe gilt für die Ausbildung des Pferdes am Boden, es ist die Basis für jede weitere Ausbildung unter dem Sattel.

Warum bilden wir Pferde aus?

Wir wünschen uns ein solides, verlässliches Reitpferd, welches lange gesund bleibt. Leider werden Pferde nicht als Reitpferd geboren, sondern müssen dazu geschult werden, den Reiter zuverlässig und richtig zu tragen. Denn der Pferdekörper ist nicht dazu ausgelegt, Lasten zu tragen, im Gegenteil, die Wirbelsäule hängt wie eine Brücke zwischen Vor- und Hinterhand und gibt entsprechend nach, wenn Last auf das untrainierte Pferd gelegt wird. Darum bilden wir Pferde aus, damit sie:

  • lernen einen Reiter zu tragen
  • keine gesundheitlichen (und seelischen!) Schäden davon tragen
  • lernen ihren Körper auch auf Kreislinien auszubalancieren
  • lange gesund bleiben

Wie beim Menschenkind braucht auch die Ausbildung des Pferdes eine solide Basis, auf welche aufgebaut werden kann. Diese Basis wird am Boden erarbeitet. In der weiteren Ausbildung des Pferdes, auch wenn es bereits ein Reitpferd ist, kann immer wieder auf diese Grundlage zurückgegriffen werden, wenn entweder etwas korrigiert werden muss oder etwas Neues erarbeitet wird.

Wenn man die Grundlage überspringt oder nicht sauber erarbeitet, kommt man früher oder später immer wieder an einen Punkt, wo es nicht weiter geht und einem genau das dieses eine Stück fehlt. Vor allem ist es meist so, dass Lektionen, welche an der Hand nicht funktionieren auch im Sattel nicht gehen.

Wie sieht die Basis in der Handarbeit aus?

Die Handarbeit beginnt bereits beim Führen des Pferdes von A nach B. Sei dies von der Box auf die Weide oder zum Putzplatz. Dabei soll das Pferd einem folgen, ohne dass am Strick gezerrt oder mit der Gerte getrieben werden muss, gleichzeitig muss das Pferd aber auch den Abstand zum Mensch respektieren und nicht in die persönliche Zone eindringen. Manche nennen diesen Bereich ihren Garten. Ich finde das gar nicht so unpassend, ich lade ja auch nicht jeden einfach so in meinen Garten ein. So muss das Pferd auch anhalten (Achtung auch hier mit respektvollen Abstand zur Führperson) und wieder anschreiten, wenn dies gefragt wird. Wenn das klappt, dann hat man eine erste Basis erreicht.

Es folgt die Erarbeitung der weiteren Führpositionen: der Bodenarbeitsposition (vor dem Pferd, rückwärts gehend), der Handarbeitsposition (neben dem Pferd, auf Höhe der Schultern), der Longenposition (Schulterhöhe mit mehr Distanz), der Langzügelposition (seitlich hinter dem Pferd). Zwischen den verschiedenen Positionen kann in der Folge frei variiert werden, je nach Lektion oder Unterstützung, die man in diesem Moment geben möchte.
Darauf aufbauend folgt das Formen des Pferdes. Man erklärt dem Pferd im Stehen das Lösen, das Biegen und das Stellen und bringt ihm das Weichen und Locken bei, um die Hinterbeine unter den Schwerpunkt zu bekommen und daraus die Seitengänge zu erarbeiten. Darauf aufbauend folgt die Arbeit auf der Zirkellinie im Schritt und später im Trab und Galopp. Dabei gibt es drei wichtige Punkte zu beachten:

  • Kleine Schritte,
  • viel Lob (im richtigen Moment)
  • und wenn etwas nicht klappt einen Schritt zurück.

Wozu die Handarbeit vor dem Reiten?

Ein Pferd, das reiterlos lernt, korrekt auf dem Zirkel zu gehen, hat auch mit dem Reitergewicht viel weniger Schwierigkeiten sich auszubalancieren. Selbstverständlich ist es zunächst ungewohnt sich mit dem Reiter auf dem Rücken zu bewegen, aber wenn die Grundlage stimmt und der Reiter nicht stört, dann findest das Pferd sofort zurück ins Gleichgewicht, weil es bereits gelernt hat, wie es sich auf dem Zirkel bewegen muss.

Dasselbe gilt für alle Bewegungsmuster, welche bereits am Boden erarbeitet wurden. Hat ein Pferd erst einmal verstanden, wie es ein Schulterherein ausführen soll, was die Hilfen bedeuten und es die Bewegung verinnerlicht hat, dann ist es für das Pferd kein unlogischer Schritt es auch unter dem Reiter stressfrei umzusetzen.
Darum ist die Handarbeit die Basis der Pferdeausbildung.

Wichtig an der Basis ist einfach immer, dass sie richtig ausgeführt wird und einen Nutzen hat. Ansonsten ist es keine richtige Basis.

Basis ist nur Basis, wenn es für irgend etwas Basis ist.

Bent Branderup

Darum ist unsere Handarbeit die Basis vom Gerittenwerden. Wenn alles, was am Boden gelernt wurde aus dem Sattel abgerufen werden kann, haben wir eine gute Grundlage für die weitere Arbeit.

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