Wolfgang Krischke

Du entscheidest, wie du hilfst Teil 2. Ein Kursbericht vom Seminar mit der Fürstlichen Hofreitschule

Anlässlich des Herbstseminars auf dem Eschbachhof hat Christin Krischke von der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg uns mit dem zweiten Teil der Vortragsreihe «Du entscheidest, wie du hilfst» beehrt. Wer den Artikel zum ersten Teil nochmals nachlesen möchte, kann dies hier tun.

Im zweiten Teil ging es hauptsächlich um den Reitersitz und die Hilfen. Wir erinnern uns an unsere Palette der Hilfen, entsprechend den 5 Intensitäten:

  1. Wünschen = das Innere Bild
  2. Bitten
  3. Fragen
  4. Fordern
  5. Durchsetzen

Das Innere Bild und der Reitersitz

Der Begriff des Inneren Bild kommt ursprünglich aus der Psychologie und meint die Verbindung von bereits gespeicherten und aktuellen Sinneseindrücken. Für ein starkes Inneres Bild ist viel Erfahrung gefordert, denn es soll den Ablauf möglichst genau kennen (so soll es sich gleich anfühlen) und sich in sekundenschnelle an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Alles was schiefgehen könnte, wird dabei ausgeblendet. Bezogen auf den Reitersitz wird dieser durch das Innere Bild quasi vorgeplant. Durch das Innere Bild des beispielsweise Angaloppierens, werden die dazu benötigten Muskeln des Reiters unbewusst aktiviert und das Pferd wird so schon auf den Galopp vorbereitet oder galoppiert gar schon an. Darum funktioniert das Bild «nein, nicht galoppieren» nicht, um das Pferd am angaloppieren zu hindern, da auch bei nicht Galopp, Galopp dabei ist und der Körper unbewusst Galopp macht. Korrekt wäre also «wir reiten Schritt».

Neutralsitz und Einwirkungssitz

Damit das Pferd die Sitzhilfen überhaupt verstehen kann, muss es diese zuerst lernen. Dazu muss Gewöhnung und Konditionierung intelligent genutzt werden, indem das gewünschte Verhalten belohnt wird. Weiter gilt es zwischen dem Neutralsitz und dem Einwirkungssitz zu unterscheiden. Der Neutralsitz meint, dass alles gut ist und das Pferd einfach so weitermachen soll. Es besteht kein Inneres Bild. Beim Einwirkungssitz ist das Innere Bild stark und man wirkt ein. Dieser Einwirkungssitz soll fairerweise nur voll konzentriert eingesetzt werden.

Innen- und Aussensitz

Für die gesunde Reiterei muss das Pferd sich biegen lernen. Wenn man Pferde in der Natur beobachtet, legen sich diese meistens in die Kurve. Das ist nicht weiter bedenklich. Wenn man aber longiert oder reitet, muss das Pferd lernen sich korrekt zu biegen, ansonsten verschleisst es. Bei einer korrekten Biegung rotiert der Rippenkasten innen unten bzw. aussen hoch. Für den Reiter fühlt sich das an, als würde sich das Pferd um den inneren Schenkel biegen, während man senkrecht auf dem Pferd sitzen kann. Wenn das Pferd sich stattdessen auf die innere Schulter legt, also sich nicht biegt, kippt der Widerrist nach aussen und setzt Reiter und Sattel nach aussen. Ein Innensitzen wird verunmöglicht.

Aber Achtung. Bei der korrekten Biegung bleibt der Widerrist immer mittig zwischen den Vorderfüssen und der Pferdekopf mittig vor der Brust. Das gilt übrigens auch für den Reiter und damit kommen wir zum Dreh- und Spiegelsitz.

Dreh- und Spiegelsitz

Grundsätzlich gilt: Die Reiterhüfte zeigt in die Richtung der Pferdehüfte und die Reiterschultern und der Blick zeigen in Richtung der Pferdeschultern. Der Reiter soll sein Pferd also so genau es möglich ist spiegeln und daraus «einladende Sitzhilfen» entwickeln. Zum Reiten eines Schulterhereins dreht also der Reiter seinen Blick und damit seine Schultern hinein und lädt so die Pferdeschulter ein, dasselbe zu tun. Christin empfiehlt den Dreh- und Spiegelsitz in den Seitengängen zu üben und verspricht, dass wenn man die Hilfegebung in den Seitengängen beherrscht

… sämtliche Lektionen reiten kann
… jedes Pferd geraderichten kann
… jedes Pferd angaloppieren kann
… jedes Pferd im Tempo kontrollieren kann.

Der zügelunabhängige Sitz

Am Kopf des Pferdes befinden sich einige sehr empfindliche Nervenaustrittslöcher. Diese sind am Genick, hinter dem Kinn, zwei Finger vor dem Jochbein und auf dem Zahnfleisch des Ladens zu finden. Spannenderweise sind das genau die Punkte, welche durch die Zäumung angesprochen werden. Darum ist aber das Reiten in Anlehnung für das Pferd auch sehr unangenehm!
Entsprechend soll sich der Reiter seiner Zügelhilfen bewusst sein und diese radikal minimieren. Zügelhilfen können durch das Zügelleder am Hals angekündigt werden, lenken kann man am Sitz, Bremsen mit dem Sitz und der Stimme. Und ganz wichtig: Fürs Mitmachen soll sich der Reiter mit Nachgeben bedanken!

Willst du mehr wissen?

Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, besorgt sich am besten das Buch „Du entscheidest“ von Christin. Neu gibt es dieses auch als Hörbuch, gelesen von Christin und Hörbuchsprecher Rainer Strecker.

Seminare mit der Fürstlichen Hofreitschule

Oder möchtest du ebenfalls von Wolfgangs und Christins Wissen und Unterricht profitieren? Denise von pro-horse.ch und ich haben dieses Jahr eine wunderschöne Seminarreihe ins Leben gerufen.

Sitzen wie ein Meister am 21./22.03.2020 in Koblenz AG
Zügelschule am 25./26.04.2020 in Boswil AG
Kommandoschule am 26./27.09.2020 in Boswil AG
Seitengängeschule 24./25.10.2020 in Koblenz AG

Die Reiterplätze sind bereits alle besetzt, es hat aber noch Platz für Zuschauer. Hier geht es zu den weiteren Informationen und der Anmeldung.



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